Das klassische Sommerlochthema "Tempolimit auf Autobahnen" hat es nun also immerhin bis in den Oktober auf den SPD-Parteitag geschafft. Und tatsächlich beschlossen die Deligierten dort Tempo 130 auf Autobahnen - zum ersten Mal bei einer der beiden Volksparteien.
Man darf sich aber durchaus fragen, warum die Deutschen so engagiert dafür kämpfen, dass gefährliche oder ungesunde Sachen erlaubt bleiben. Egal ob Rauchverbot in der Öffentlichkeit, die Promillegrenze oder eben das Autofahren - sobald hier Einschränkungen gefordert werden, gibt es große Diskussionen. So zitiert die BILD ihren Leser Daniel Gabler folgendermaßen:
So langsam reicht es. Man darf nicht mehr rauchen, wo man will, man darf bald nicht mehr fahren, wie man will. Ich denke, wir leben in einer Demokratie? Wie lange sollen wir Bürger uns noch gängeln lassen? Ich kaufe mir mit Sicherheit keinen Porsche, um mit dem dann mit 130 km/h auf der Autobahn rumzuzuckeln. (Quelle)
Interessant ist, dass der Bild-Leser die Demokratie an Rauchen und Rasen festmacht - demnach wäre also Deutschland die einzige Demokratie in einem von Diktaturen beherrschten Europa. Das der Staat den Bürger an allen anderen Ecken und Enden gängelt und die hälfte des Jahres für seine eigenen Interessen schuften lässt, scheint dagegen niemand zu stören. Falls hier Freiheit herrschen würde, könnten die Bürger vielleicht leichter auf die Freiheit, die Gesundheit Ihrer Mitbürger zu gefährden, leichter verzichten.
Ob das Tempolimit jetzt so viel bringt, ist allerdings nochmal eine andere Frage. 130 sind jedenfalls deutlich sinnvoller als 100 oder 120. Für den Klimaschutz würden andere Maßnahmen deutlich mehr bringen - die Kosten für die Vermeidung von CO2 sind bereits jetzt beim Auto am höchsten. Das ist in einer Marktwirtschaft auch kein Wunder, die gleiche Menge CO2 aus Diesel bzw. Heizöl in der Heizung der Wohnung oder im Haus zu erzeugen kostet ja nur die Hälfte als im Straßenverkehr. Und absolut betrachtet ist der Anteil des CO2s, der bei hohen Geschwindigkeiten verbraucht wird eher gering. Es bleibt lediglich die Hoffnung auf gleichmäßigeren Verkehr und entspannteres, sichereres Fahren bei relativ dichtem Verkehr, während es eher abschreckt, Nachts mit 130 über eine völlig leere Autobahn zu "schleichen". Und von den Unfallzahlen schneiden Autobahnen bereits jetzt sehr gut ab. Die wirklichen Gefahren drohen eher für Fußgänger oder Radfahrer in der Stadt, auf Landstraßen sowie von alkoholisierten Fahrern - die in der Regel übrigens nicht 0.6, sondern deutlich über 1 Promille intus haben.
Mein Lieblingsvorschlag zur Kraftstoffeinsparung wären übrigens härtere Maßnahmen gegen Elefantenrennen auf der Autobahn. Würden alle LKW gleichmäßig mit 80 km/h anstatt dauernd am Begrenzer dahinrollen, würde eine Menge Energie gespart und die Fahrt auf der Autobahn - mit oder ohne Tempolimit - für alle anderen beschleunigt.