Da mein Aufenthalt in den USA länger als drei Monate dauern wird und ich obendrein noch arbeiten werde, konnte ich natürlich auch nicht einfach per Reisepass und "Visa-Waiver-Program" nach Amerika einreisen. Vielmehr benötigen Austauschschüler- und Studenten, Praktikanten und andere nicht-touristische Amerika-Besucher das so genannte J1-Visum. Dies erlaubt die Einreise, den längerfristigen Aufenthalt und bei Praktikanten auch das Arbeiten bei dem Praktikumsgeber. In diesem Eintrag versuche ich, vor allem für diejenigen meiner Kommilitonen und Freunde, die einen USA-Aufenthalt im Rahmen ihres Studiums planen, den "Visumserteilungsvorgang" ungefähr zu beschreiben.
Notwendige Unterlagen
Ein solches Visum zu bekommen war jedoch selbst für Deutsche, die in Sachen Bürokratie eigentlich recht leidgeprüft sind, nicht ganz leicht. Zunächst galt es, die Legitimität des Praktikums zu bescheinigen. Dies übernimmt das CIEE, eine gemeinnützige Organisation in Boston. Das Dokument, das daraufhin ausgestellt wird, heißt "DS-2019". Dafür benötigt der Antragssteller im Wesentlichen folgendes:
- Eine Bescheinigung über Englischkenntnisse. Diese kann ein hinreichend gutes Englisch-Abitur sein, ein Englischtest wie TOEFL oder aber, wie in meinem Fall, eine Bescheinigung des Englischdozenten. Christopher Keelan, mein Business-English-Dozent, hat mir diese Bescheinigung sehr kurzfristig ausgefüllt, was mich sehr gefreut hat!
- Eine Bescheinigung der Hochschule, dass das Studium nach dem Prakikum fortgesetzt wird. Da sich Frau Loykowski, unsere Fachbereichssekretärin, leider geweigert hat, das entsprechende Formular auszufüllen, habe ich mich an Herrn Dr. Hettesheimer gewandt. Er gab mir sehr kurzfristig einen Termin, so dass in meinem Fall auch hierdurch keine Verzögerung entstand.
- Eine Bescheinigung über eure finanzielle Absicherung. Dies kann eine Bescheinigung eurer Bank sein, eine Bürgschaft eurer Eltern oder eine hinreichend gute Bezahlung beim Praktikum. Nachgewiesen werden müssen mindestens $750 pro Aufenthaltsmonat. Ich habe, da mein Gehalt noch nicht feststand, meine Bank um eine solche Bescheinigung gebeten. Die erste Version enthielt noch ein paar sprachliche Ungereimtheiten, außerdem hat meine Kundenberaterin zu Anfang die Währungen von Euro in US-Dollar "falsch herum" umgerechnet. Insgesamt war jedoch auch dieser Punkt kein Problem.
- Das "Host Company Training Proposal": Hier wird dargelegt, was im Praktikum getan wird. Dies stellt eine nicht unerhebliche Hürde dar, da es nur vom Unternehmen ausgefüllt werden darf, wo man das Praktikum macht und dieses nicht erfreut sein dürfte, mal eben schnell drei Seiten Prosa hervorzuzaubern. Bei komplexeren Aufgaben für den Praktikant kann außerdem die laiengerechte Beschreibung des Praktikums unter Umständen schwierig und sehr umfangreich werden. Hierfür sollte man auf jeden Fall genug Zeit einplanen und seiner Firma diese auch lassen. Wichtig ist, dass das ganze eben ein Praktikum im eigentlichen Sinne und nicht nur eine Art Ferienjob darstellt. Darauf sollte man jedoch beim Praxissemester schon aus eigenem Interesse achten.
- Eigene Motivation: Ein weiteres Formular beschäftigt sich mit der Frage, warum der Praktikant das Praktikum machen möchte. Hierbei handelt es sich um ein recht gewöhnliches Motivationsschreiben in Formularform, das eigentlich jeden, der wirklich Interesse am Zielland und an dem Praktkum hat, nicht vor Schwierigkeiten stellen sollte.
Schlussendlich ergab sich, da das ganze noch inklusive zweier Duplikate eingereicht werden muss, diese Sammlung von Dokumenten (leider nur per Handy fotografiert):
Unbedingt empfehlen würde ich, die Unterstützung einer Austauschorganisation in Anspruch zu nehmen. Ich selbst habe mich für TravelWorks entschieden. Dort ist das ganze zwar nicht ganz billig, bieten jedoch umfassende Unterstützung beim Ausfüllen der Formulare, prüfen die Antragsunterlagen und stehen für individuelle Fragen zur Verfügung. Wie ich inzwischen erfahren habe, bekommt man bei der Rückkehr sogar noch Unterstützung beim Anfertigen der US-Steuererklärung. Insgesamt kann ich TravelWorks bisher nur empfehlen, wie gut die Mitbewerber von TravelWorks sind.
Beim "Career Center" der FachHochschule Karlsruhe gibt es jedenfalls Broschüren von dreien dieser Unternehmen. Viel mehr Hilfe bei meinen speziellen Fragen zum US-Visum bekam ich dort jedoch leider nicht.
Hat man die Legitimität seines Praktikums mit dem DS-2019 bescheinigt bekommen, kann man beim US-Konsulat sein J1-Visum beantragen. Dies stellte bei mir dann keine große Hürde mehr dar.
Der Konsulatstermin
Um das J1-Visum zu bekommen, muss ein persönlicher Vorstellungstermin beim US-Konsulat vereinbart werden. Dies geschieht für die Bewohner von Süddeutschland in Frankfurt. Darüber sollte man sich nicht allzu viele Gedanken machen und dafür eine Menge Geduld mitbringen. Bei mir ging die Prüfung meiner Unterlagen im Backoffice drei Stunden. Das erscheint zwar viel, relativiert sich aber, wenn man sich überlegt, dass ich schon eineinhalb Stunden im Bürgerbüro von Karlsruhe warten musste, um mich dort anzumelden. Mit den Formalitäten sollte es eigentlich keine Probleme geben, da TravelWorks die Unterlagen, die dort eingereicht werden müssen, vorher für den Antragsteller prüft. Etwas Bedenken hatte ich wegen eines Interviews, dass der Konsulatsbeamte führt, um ein paar Details über das Praktikum in Erfahrung zu bringen und dessen Legitimität zu prüfen. Bei mir war das Interview jedoch ausgesprochen kurz und beinhaltete nur ein paar allgemeine Fragen zu den Umständen meiner Reise.
Sehr überrascht war ich außerdem, dass man sich auf dem US-Konsulat fast vollständig auf Deutsch durchschlagen kann. Der einzige Angestellte der kein Deutsch konnte, war derjenige, der für die Aufbewahrung großer und gefährlicher Gegenstände zuständig war. Doch gerade dort fiel mir nicht ein, was Regenschirm bedeutet
Wirklich ernst nehmen sollte man übrigens unbedingt das Elektronikverbot im Konsulat. Man wird schon im Eingangsbereich gefragt, ob man Handys, MP3-Player und ähnliches dabei hat und sollte diese Sachen unbedingt im Schließfach oder im Auto lassen. Das ist auch völlig gefahrlos, da das Konsulat von allen Seiten von Polizeistreifen bewacht wird und somit einer der sichersten Orte in Frankfurt sein dürfte. Das Elektronikverbot hat auch den Vorteil, dass es in der Wartehalle unglaublich ruhig ist und man nicht ständig das komplette aktuelle Jamba-Angebot vorgespielt bekommt.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der bürokratische Aufwand zwar hoch war, sich aber gelohnt hat. Außerdem war die Behandlung überall fair, freundlich und professionell, was bei Deutschen Behörden ja bei weitem nicht überall der Fall ist!